… wählte ich als erstes Buch ein nicht zu dickes, und seine Papierqualität war nicht besonders gut. 1943 und 1944 zeichnete ich Figuren und Köpfe hinein

… Die Blätter entstanden meistens abends und nachts, wenn die Stadt still und ausgestorben war — außer es gab Fliegeralarm und Luftbomben. Ich hatte mich bald freigezeichnet, so daß ich in den gleichen Jahren, oft zur selben Zeit das zweite Buch, ein ledergebundenes, mit sehr gutem Papier und mit viel mehr Seiten, vollzeichnete. Diesen schönen Band trug ich immer bei mir, auch wenn ich raus nach Schulzendorf mußte, wo ich in der Schreibstube einer Flak-Schule meinen Militärdienst machte. Dort habe ich in arbeitslosen und unbeobachteten Stunden auch gezeichnet, Phantasiegebilde skurriler, abstrakter oder surrealistischer Art.

Sie kamen so aus mir selbst, hatten nichts mehr mit der außerbildchen Wirklichkeit zu tun, daß ich sie für das erste ganz Persönliche hielt, was ich als Zeichner bisher gemacht hatte, (…) Als ich den Band vollgezeichnet hatte, schrieb ich vorne hinein:
Unter der Erde ist Schlaf,
 über der Erde ist Traum, aber zwischen Schlaf und Traum – seh ich Lichtaugen wandeln wie Sterne. 
(Jean Paul)

In der Kaserne hatte ich Tag für Tag und zuhause Nacht für Nacht gezeichnet, und je mehr ich das Buch in den Griff bekam, desto mehr spürte ich, daß es mir einen stillen Willen aufdrückte, indem ich, nach einer fertigen Zeichnung, dem Sog der nachfolgenden leeren Seite folgte, indem ich die schon gefüllten Blätter vergleichend betrachtete und daß ein leiser, wie von innen kommender Zwang mir sagte: nicht nachlassen, nicht wegrutschen und — herausreißen wirst du nichts. Ich malte bei Tageslicht und zeichnete, wenn es dunkel wurde. In den späteren Jahren folgte immer einer Periode des Bildermachens eine längere des Zeichnens, auch über Tag, bis ein Band voll war. Der Sog der leeren Blätter und der leise Zwang sind bis heute geblieben. Zitiert aus: Heinz Trökes’ Skizzenbücher für die Nationalgalerie. Sonderdruck aus Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz, Band • 1983, Gebr. Mann Verlag.

 

“Trökes’ Skizzenbücher sind keine Tagebücher, auch keine Skizzenbücher im üblichen Sinne. Weder wird in ihnen Gesehenes und Erlebtes unumwunden notiert noch dienen sie der schnellen Aufzeichnung spontaner Einfälle zu späterer Ausarbeitung. Innerhalb des Werkes stehen sie weniger in dauernder Wechselbeziehung zu den Bildern, Zeichnungen und Grafiken als in paralleler Autonomie daneben.
 Auf den ersten Blättern, die noch während des Krieges in Berlin entstanden, kündigt sich bereits der Berliner Nachkriegs Surrealismus an, für den Trökes’ Ölbild “Mondkanone” zum signifikanten Werk wurde – Malerei aus der Stimmung des absoluten Nullpunktes, in der man nicht einmal mehr seinen eigenen Träumen trauen möchte. Zeitbezüge im Sinne des Tagebuchs sind in diesen ersten Skizzenbüchern noch am ehesten auszumachen, bis in die ersten Jahre nach dem Kriege, wo der Erlebnisschutt abgearbeitet wird in zerbrochenen und erschrockenen Bildern.” Zitiert aus: Janos Frecot, TRÖKES – Akademie der Künste, Berlin 1979, Akademie-Katalog 126